Von Traumlieseln und Prinzen auf dem weissen Schimmel

Wie gehe ich mit einer Venus/ Neptun Konstellation konstruktiv im Alltag um? Diese Frage hat sich in vielen meiner Beratungen in letzter Zeit ergeben. Der Artikel richtet sich vor allem an diejenigen unter uns, die in irgendeiner Form mit Venus Neptun Themen im Horoskop gesegnet sind oder mit Klienten arbeiten, die diese Thematik im Horoskop aufweisen. Wer Aspekte des Neptun zur Venus, Venus in Fische, Venus im 12. Haus, den Neptun im siebten Haus oder gar Neptun in Konjunktion zum DC oder auch einfach nur einen Fischedeszendenten hat. „Gesegnet“ ist ganz im neptunischen Sinne durchaus wörtlich zu verstehen. Denn im Grunde genommen ist eine neptunische Färbung der venusischen Bereiche ein Segen.

Mythologie

So: Nun schauen wir uns die beiden Protagonisten mal genauer an. Ladies first-Venus ist die römische Göttin der Liebe, der Schönheit und der Kunst. Als psychologischer Archetyp im Radix ist sie die Liebende, die Anmutige und die Muse. Im weiblichen Horoskop beschreibt sie einen wesentlichen Teil des inneren Selbstbildes und zwar die Rolle als erotische, junge Frau. Analog dazu beschreibt die Venusposition im männlichen Radix den zentralen Aspekt der inneren Weiblichkeit und seines Suchbildes in der Partnerschaft.[1] Allgemein zeigt uns die Venus, welchen Geschmack wir haben, wie es um unser ästhetisches Empfinden bestellt ist, welche Kunstrichtung wir bevorzugen kurzum alles, was wir schön finden und uns gefällt, lässt sich anhand ihrer astrologischen Stellung ablesen. Im Griechischen wird die Venus Aphrodite genannt. Das bedeutet wörtlich übersetzt die „Schaumgeborene“.

Nun zum männlichen Part der Verbindung: Neptun der römische Meeresgott symbolisiert in der Astrologie den Archetyp des Mystikers, Märtyrers und Minnesängers. Neptun ist das grenzauflösende Prinzip. Die Sehnsucht nach Erlösung von den alltäglichen Dingen und das Einswerden mit einer alles verbindenden göttlichen Kraft.

Neptun bewirkt ein starkes spirituelles Streben. Dort, wo er im Horoskop in Erscheinung tritt, sensibilisiert und verfeinert er. Er steigert die Hingabefähigkeit und idealisiert den Themenbereich, den er berührt.

In negativer Ausprägung kann er sich in Süchten, Verklärung, Illusionen und Weltfremdheit äußern.

Auswirkungen der Verbindung

Treffen diese beiden „Künstler“ unter den Planeten in irgendeiner Form aufeinander, bekommen wir es im Idealfall mit einer hingebungsvollen und verschmelzenden Liebe zu tun. Im schlechtesten Fall, hangeln wir uns von einer Enttäuschung zur nächsten und bleiben stetig auf der Suche nach der einen, glückselig machenden Beziehung, die uns aus den Fängen des grauen Alltags befreit und in mystisch erotische Sphären entführt. Auf diesem Weg begegnen uns zur Sucht neigende TraumtänzerInnen oder andere vom Leben gebeutelte Partner, die wir mit unserem Mitleid und unserer Hingabe retten wollen.

Oder aber wir selbst sind das ewige hilflose Mädchen, das sich an einen Partner klammert, der gleich einem gottähnlichem übervater glorifiziert wird.

Wie dem auch sei, gemeinsam ist allen Varianten einer Venus/ Neptun Konstellation, die Sehnsucht nach einer zutiefst romantischen und fast transzendenten Form der Liebe.

Lösungsmöglichkeiten:

Nun gibt es natürlich unterschiedliche Wege dieses Ziel zu erreichen. Dies hängt natürlich auch von den sonstigen Konstellationen im Horoskop ab. Häufig wird den Betreffenden der Ratschlag erteilt, diese tiefe göttliche Liebe in der Kunst zu suchen. Die Beschäftigung mit der Kunst, sei es nun passiv oder besser noch aktiv, hilft ganz klar, die vorhandene Energie zu kanalisieren und die Sehnsucht nach Vollkommenheit in lebbare Bahnen zu lenken. Wer auch immer mit dieser Konstellation in die astrologische Beratung kommt, sollte ermuntert werden, die eigenen künstlerischen Fähigkeiten zu entdecken. Um rauszufinden, welche Art der künstlerischen Betätigung sinnvoll wäre, lohnt sich ein Blick auf die Radixstellung der Venus. Häufig bekommt man aber auch von Klienten zu hören: „Ich bin überhaupt nicht künstlerisch begabt, ich kann weder malen, noch ein Instrument spielen und ein Gedicht habe ich das letzte Mal in der Schule geschrieben“. Besonders wenn auch noch ein starker Saturneinfluss vorhanden ist, ist der Widerstand zunächst besonders groß. Und nun? Themenwechsel? Nein, ich denke so schnell, sollten wir den Venus/Neptunier nicht mit seiner eilig herbeigezauberten Tarnkappe unter den Deckmantel des saturnischen Perfektionsanspruches entfliehen lassen. Wir sollten versuchen, ihm klarzumachen, dass es nicht auf ein Talent oder ein besonders tolles Ergebnis bei der jeweiligen Kunstform ankommt. Entscheidend ist vielmehr, das Erreichen eines meditativen, losgelösten Zustandes, der durch die künstlerische Betätigung erreicht wird. In diesen Zustand kann eine Jungfrauvenus sicherlich auch beim Häkeln eines Topflappens kommen. Während sich eine feurige Widdervenus im neunten Haus wahrscheinlich beim Bauchtanz gelöster fühlt. Entscheidend ist das „ob“ und nicht das „wie“. Sollte die Abwehr gegen eine künstlerische Beschäftigung immer noch vorhanden sein, wäre es gut, den Klienten dazu zu ermuntern, durch vorerst passiven Kunstgenuss die vorhandenen Potentiale auszuleben. Nicht jeder Venus/ Neptunier wird gleich in Begeisterungsstürme ausbrechen, wenn sie Ihm einen Besuch im Louvres vorschlagen, es sei denn die Venus steht in der Waage , dann könnte der Tipp ein Volltreffer sein ;-).

Die eigene künstlerische Betätigung ist wohl die konstruktivste Umsetzung der venusisch -neptunischen Energien.

Sollte die Abwehr dagegen bei der Klientin aber zu gross sein, ist es nicht sinnvoll diesbezüglich zu insistieren.

Mit der aktiven oder passiven künstlerischen Beschäftigung ist ein Grossteil der Energie in alltagstaugliche Bahnen gelenkt.

Aber reicht das wirklich? Aus meiner Sicht ist es sinnvoll die Klientin zu ermutigen, ihrer Sehnsucht nach dem romantischen Liebesideal in homöopathischer Dosis nachzugeben. Die namensgebende und wichtigste Grundannahme der Homöopathie ist das, von Hahnemann formulierte, ähnlichkeitsprinzip: „ähnliches soll durch ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur, Hahnemann). Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass es an Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen könne, wie die, an denen der Kranke leidet.

Was bedeutet dies nun übertragen auf die Situation des Venus/Neptun Aspektes?

Ganz einfach. Es ist alles erlaubt, was zum Schmachten und Schwärmen anregt. Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Während die eine bei der fünfzigsten Wiederholung von „Dr.Schiwago“ dahinschmilzt, braucht eine andere vielleicht eher die Etüden von Chopin (übrigens ein Bilderbuch Neptunier (Frederic Chopin geboren am 1.3.1810 in Zelalowa. Bei ihm stehen Sonne, Venus und Pluto in Fische in Konjunktion zum DC und alle wiederum im Quadrat zu Neptun in Schätze am IC. Wer sonst wohl könnte diese tiefen sehnsuchtsvollen Gefühle ausdrücken und in Töne umsetzen als ein anderer Neptunier…)[2], um in den venusisch neptunisch Bewusstseinszustand zu entfliehen.

Aber auch reales Schmachten ist in Maßen nicht verboten. Jemanden anzuhimmeln, der nicht erreichbar ist und sich die ideale Beziehung zu erträumen, das ist der Stoff aus dem die Venus -Neptunträume sind. Plötzlich wird der Alltag wieder rosarot statt mausgrau.

Gerade die Erlaubnis diesem schwärmerischen Wesenszug nachzugeben und ihn nicht zu unterdrücken, wirkt oft schon sehr heilsam für die Klientin.

Genau das ist auch meiner Meinung nach der Schlüssel zur konstruktiven Lösung. Lassen wir den Neptunier bzw die Neptunierin doch ruhig neptunisch sein. Gerade das Wegträumen aus dem Alltag und der Umgebung ist ein Energiequell. Der jeweiligen individuellen Umsetzung sind da keine Grenzen gesetzt.

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